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Interview

Freie Fahrt für E-Mobile

Die automobile Zukunft ist elektrisch. Derzeit wird in Deutschland die Infrastruktur für Elektromobilität aufgebaut. So sollen E-Autos künftig bequem und einfach Strom tanken können. Daran arbeiten Matthias Felten und Dr. Norbert Vierheilig von der Siemens AG im Schaufenster Bayern-Sachsen ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET.

Dr. Norbert Vierheilig – Communication Green eMotion, Siemens AG (© Siemens AG)

Wie entwickelt sich die Elektromobilität in Deutschland?

Vierheilig: Die Bundesregierung will, dass Deutschland bis 2020 Leitanbieter im Bereich Elektromobilität wird. Die Basis dafür wird gerade geschaffen: Viele Gelder fließen in Forschung und Entwicklung, zum Beispiel im Bereich Leichtbau, Antriebssysteme oder Recycling. Seit letztem Jahr laufen auch Pilotprojekte, sogenannte Schaufensterprojekte – damit will man die Markteinführung der entsprechenden Technologien beschleunigen.

Felten: Das Ziel ist der Aufschwung der Elektromobilität. Derzeit rollen gut 7.000 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen – bis 2020 sollen es nach dem Willen der Politik eine Million sein, davon 250.000 in Bayern und Sachsen.

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Nach 20 Minuten ist ein entladenes Auto wieder fahrbereit

Was beinhaltet das Schaufensterprojekt von Bayern und Sachsen?

Felten: Die Partner untersuchen in unterschiedlichen Projekten die nötigen Voraussetzungen für Elektromobilität in Ballungsräumen, ländlichen Regionen und auf langen Strecken. Die Projekte beschränken sich aber nicht nur auf die Straße. Zum Beispiel wird ein umfangreiches Lehrgangskonzept für die überbetriebliche Aus- und Weiterbildung von Kfz-Mechanikern im Bereich Elektromobilität entwickelt.

Vierheilig: In unserem Projekt kümmern wir uns gemeinsam mit BMW und E.ON um die Infrastruktur für Langstreckenmobilität: Wir wollen Schnellladestationen entlang der A 9 zwischen München und Leipzig aufstellen. Alle 40–90 Kilometer soll eine Ladestation entstehen. Im Moment suchen wir dafür die passenden Standorte. In Frage kommen zum Beispiel Restaurants oder Autohöfe. Im September ist die Inbetriebnahme der ersten Ladestationen geplant. Die Partner BMW und E.ON installieren die Stationen, verlegen Leitungen und kümmern sich um den Netzanschluss.

 

Fenster in die Zukunft

Der Straßenverkehr in Deutschland wird leiser und sauberer – mit Elektrofahrzeugen. Sie tanken weder Diesel noch Benzin, sondern Strom aus Erneuerbaren Energien. Über 7.000 E-Autos rollten Anfang 2013 auf deutschen Straßen. Bis zum Jahr 2030 sollen es sechs Millionen sein.Das Ziel: Deutschland soll zum Leitanbieter und -markt für Elektromobilität werden. Die Bundesregierung fördert diese Entwicklung mit dem 2011 veröffentlichten Programm Elektromobilität über sogenannte „Schaufenster“. In vier groß angelegten regionalen Pilotprojekten werden offene Fragen im Bereich der Elektromobilität beantwortet. Etwa, welche Anforderungen an die Infrastruktur bestehen oder welche Erwartungen der Kunden erfüllt werden müssen.

Die Schaufensterprojekte laufen in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen, Niedersachsen und Berlin mit Brandenburg. Viele Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bund und Ländern sind beteiligt. Die Bayern Innovativ GmbH ist für das Schaufenster Bayern-Sachsen ELEKTROMO - BILITÄT VERBINDET mit etwa 50 Projekten und ca. 150 Mio. Gesamtvolumen die Projektleitstelle des Freistaates Bayern. Ein Schwerpunkt des Programms ist die Langstreckenmobilität unter der Federführung der Firma Siemens gemeinsam mit BMW und E.ON.

Die ersten Projekte starteten Ende 2012 und laufen drei Jahre. Der Bund fördert das Programm mit 180 Millionen Euro. Zudem beteiligen sich die beiden Freistaaten mit jeweils 15 Millionen Euro finanziell erheblich. Auch die beteiligten Unternehmen finanzieren einen Großteil der Vorhaben.

Fenster in die Zukunft (© Siemens AG)

Was ist das Besondere an der eingesetzten Technologie?

Felten: Wir werden an der A 9 mit den Ladestationen eine neue Technologie der Steckverbindung zwischen Säule und Auto einführen. Der sogenannte Combo-Stecker soll zur Standardverbindung werden. Die deutsche Automobilindustrie hat dieser Vorrichtung bereits ihre Unterstützung zugesagt, und auch europaweit kommt das System gut an.

Mit der Combo-Steckverbindung lässt sich das Auto mit Gleichund Wechselstrom laden – an der A 9 und in der heimischen Garage. Bisher brauchte man für Gleich- und Wechselstrom zwei unterschiedliche Ladedosen am Fahrzeug.

Mit diesen Schnellladestationen mit 50 Kilowatt Anschlussleistung sind sehr kurze Ladezeiten möglich. Etwa 20 Minuten dauert es, bis ein entladenes Auto wieder fahrbereit ist. Nach einer kurzen Kaffeepause kann also der Fahrer dann die nächsten 100 bis 150 Kilometer angehen.

Wann werden die Schnellladestationen geöffnet?

Vierheilig: Das soll Mitte Januar 2014 passieren. Dann können alle Elektrofahrzeug-Besitzer an den Stationen tanken – mit dem E.ON-Strom aus Erneuerbaren Energien. Bis dahin sind BMW -Erprobungsfahrzeuge auf der Strecke unterwegs.

Siemens liefert auch an ein übergeordnetes Operation-Center, das die Administration der Ladeinfrastruktur leicht und sicher macht. Das System soll zum Beispiel frühzeitig über Probleme informieren und etwa präventiv einen Wartungstechniker anfordern. Das Operation-Center wird über eine Schnittstelle an die IT-Systeme von E.ON angebunden. Bis Mitte März 2014 erfolgt der Anschluss an das Marktplatzsystem der Firma hubject, womit eine übergeordnete Roamingfunktionalität zur Verfügung steht.

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An der A 9 soll alle 40–90 Kilometer eine Schnellladestation entstehen

Felten: Die Wartung des Systems wie auch das Tanken an der Säule soll möglichst einfach sein. Wir entwickeln deshalb verschiedene Komfort-Services. Zum Beispiel ist geplant, dass die Kunden künftig per SMS bezahlen können. Die Projektpartner probieren neue Konzepte und Geschäftsmodelle aus und sammeln Erfahrungen für spätere Entwicklungen.