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Container von der Straße auf die Schiene

„Wir können die Quote steigern“

Jährlich werden über 700.000 Container zwischen Hamburg und Bayern transportiert – Tendenz steigend. Der Großteil rollt bereits umweltfreundlich und kostengünstig auf Schienen, und der Bahnanteil soll weiter steigen. Wie das gelingen kann, hat der Hafen Hamburg Marketing e. V. in der Studie „Hafen Hamburg 62+“ untersucht. Sebastian Doderer vom Hafen Hamburg Marketing e. V. leitete das bayerisch-hamburgische Kooperationsprojekt. Bayern Innovativ war einer von 16 Projektpartnern.

Sebastian Doderer – Leiter Projektentwicklung, Hafen Hamburg Marketing e. V. (© Hafen Hamburg Marketing e. V.)

Warum ist die Steigerung des Bahnanteils im Gütertransport wichtig?

Grundsätzlich hat der Transport mit der Bahn zwei große Vorteile gegenüber den Lkws: Er ist bis zu 30 Prozent günstiger und reduziert das klimaschädliche Kohlendioxid um 70 Prozent. Zudem ist der Schienenverkehr für den Hafen Hamburg besonders relevant – wir haben europaweit mit täglich mehr als 200 Zugabfahrten den höchsten Bahnverkehrsanteil.

Wir haben uns auf die Achse Hamburg-Bayern konzentriert, weil Bayern durch seine vielen industriellen Großkunden unser zweitwichtigster Partner nach China ist. 62 Prozent des Containertransports zwischen Bayern und Hamburg laufen auf Schienen. Das ist schon eine gute Quote, aber man kann sie noch steigern.

Wie sind Sie in der Studie „Hafen Hamburg 62+“ vorgegangen?

Wir wollten eine wissenschaftliche und politisch relevante Studie, die nah an der Praxis ist, und haben deswegen mit unterschiedlichsten Partnern zusammengearbeitet. Dabei hat uns das Netzwerk von Bayern Innovativ sehr geholfen. Zu Anfang haben die beteiligten Fraunhofer-Institute Verkehrsstatistiken ausgewertet und die bestehende Infrastruktur untersucht. Dann haben wir nach Optimierungspotenzial im Bahntransport gesucht. Dafür haben wir mit 48 Verladern, Transportfirmen und Spediteuren gesprochen, um herauszufinden, welche Faktoren die Wahl zwischen Schienen- und Straßentransport beeinflussen.

Und was hält die Firmen von der Schiene ab?

Zum einen ist die Bahn für viele Kunden zu unflexibel: Durch Schwankungen in Angebot und Nachfrage muss die gleichmäßige Auslastung der Züge langfristig geplant werden. Lkws dagegen sind kurzfristig einsetzbar. Außerdem kommt es bei der Bahn auf den stark belasteten Nord-Süd-Trassen manchmal zu Verzögerungen, sodass beispielsweise das Schiff nicht rechtzeitig erreicht wird. Zusätzlich sind viele Spediteure gar nicht über alternative Bahnanbieter informiert.

Nötig ist also ein transparenter Bahnverkehr?

Ja, das Angebot für den Bahnverkehr muss bekannter werden. Ein konkretes Projekt haben wir auf der Internetseite www.hafen-hamburg.de umgesetzt: eine interaktive Landkarte, auf der alle deutschen Städte mit Schienenanbindung markiert sind, mit Kontaktdaten der jeweiligen Ansprechpartner im Bahnverkehr. Außerdem werden wir mit Handelsschulen für Logistikdienstleister sprechen – bei der Ausbildung von Spediteuren steht der Bahnverkehr noch im Hintergrund.

Ein weiteres Ziel ist der Ausbau des „Ostkorridors“. Weil der Schienengüterverkehr weiter zunimmt, brauchen wir eine zweite Nord-Süd-Achse von den deutschen Seehäfen nach Hof und Regensburg.

Gibt es bereits erste Erfolge?

Seit Januar gibt es eine neue Verbindung zwischen dem Seehafen Hamburg und dem bayernhafen Nürnberg, die auch München einbezieht. Im Moment fährt der Zug zweimal pro Woche in beide Richtungen. Auf jeden Zug passen etwa 100 Container – wenn man das hochrechnet, bei einer Auslastung von 80 Prozent, sind das schon über 15.000 Container weniger, die im Jahr auf deutschen Autobahnen unterwegs sind.