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Trimodale Logistik für effizienten Gütertransport

Drehkreuz Binnenhafen

Schiff, Bahn und Lkw: Die moderne Logistik verknüpft geschickt die verschiedenen Verkehrsträger – und sorgt für effiziente Warenströme. Die bayernhafen Gruppe spielt eine zentrale Rolle für den Gütertransport in ganz Europa.

Verladung im Morgengrauen – 15 Tonnen schwere Tanks zur Lagerung und Gärung von Bier werden im Hafen Regensburg für ihre Reise nach Nigeria verladen. (© bayernhafen Gruppe) vergrößern

Verladung im Morgengrauen – 15 Tonnen schwere Tanks zur Lagerung und Gärung von Bier werden im Hafen Regensburg für ihre Reise nach Nigeria verladen. (© bayernhafen Gruppe)

Träge schiebt sich der tonnenschwere Frachter flussaufwärts. Doch die Ruhe auf dem Main-Donau-Kanal täuscht. Auf den deutschen Wasserwegen und Binnenhäfen herrscht reger Schiffsverkehr. Es ist exakt eingetaktet, wann die Ladungen ihr Ziel erreichen, Waren in Waggons umgeladen und neue Güter aufgenommen werden müssen. Entsprechend pulsiert nicht nur in den Seehäfen von Hamburg, Bremen und Cuxhaven das Leben, sondern auch in bayerischen Binnenhäfen: Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth, Regensburg und Passau – diese sechs Standorte gehören zur bayernhafen Gruppe. Jährlich werden in den süddeutschen Häfen über 29 Millionen Tonnen Güter per Schiff, Bahn und Lkw umgeschlagen.

Die Binnenhäfen kanalisieren nicht nur die Warenströme aus dem Hinterland, sondern aus ganz Europa. Die bayernhafen-Standorte liegen als zentrale Logistikdrehscheiben zwischen den Wirtschaftsräumen in West- und Südosteuropa: Die optimale Lage an der Rhein-Main-Donau-Wasserstraße und die direkte Anbindung an das internationale Schienen- und Straßennetz sorgen dafür, dass die Waren effizient an ihren Bestimmungsort transportiert werden können. „Für den heutigen Erfolg des bayernhafen Nürnberg ist der Main-Donau-Kanal die Keimzelle gewesen“, erklärt Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der bayernhafen Gruppe. Der 171 Kilometer lange Wasserweg ist ein Teil der 3.500 Kilometer langen Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer.

Windkraft auf Wasserweg – Im bayernhafen Passau wurden 2012 über 4.000 Tonnen Schwergut verladen – darunter auch Windradflügel für Osteuropa. Jeder Flügel wiegt acht Tonnen. (© bayernhafen Gruppe)

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Wirtschaftsmotor, Verkehrsdrehscheibe, Jobmaschine

Die modernen Hafenkomplexe in Süddeutschland sind heutzutage mehr als Kaimauern, Schiffsanleger und Lastkräne, sondern auch Wirtschaftsmotor, Verkehrsdrehscheibe und Jobmaschine.

„Es entstehen Bündelungseffekte, von denen alle in den einzelnen Regionen profitieren: die verladende Wirtschaft, die Hafenansiedler, Städte und Kommunen“, sagt Zimmermann. Mit rund 500 Unternehmen, die mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigen, zählt die bayernhafen Gruppe sogar zu den größten Logistik-Netzwerken Europas.

Zusammengenommen nehmen die Häfen eine Fläche von mehr als 800 Hektar ein, also fast so groß wie der Tegernsee. Intelligente Logistik beschränkt sich mittlerweile nicht mehr auf ein einzelnes Transportmittel: Die trimodale Infrastruktur hat sich die bayernhafen Gruppe für ihre Standorte vorgenommen. Trimodal bedeutet, dass die drei Verkehrsträger Binnenschiff, Bahn und Lkw entsprechend ihrer jeweiligen Stärke eingesetzt und die Güterströme dadurch besonders effizient geleitet werden. Das bietet nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische Vorteile.

Vor allem der Schiffstransport schont die Umwelt, wie Zimmermann erklärt: „Die Wasserstraße ist einer der ressourcenschonendsten Verkehrsträger. Das Binnenschiff ist von den drei Verkehrsträgern der umweltverträglichste. Es produziert gegenüber dem Lkw nur ein Fünftel des CO2 und verursacht weder Stau noch Lärm.“

Hafen aus der Luft – Der bayernhafen Nürnberg am Main-Donau-Kanal ist das größte multimodale Dienstleistungs- und Logistikzentrum Süddeutschlands. (© bayernhafen Gruppe)

Modal-Split – Verteilung der Transportmittel der bayernhafen Gruppe 2012 (© Quelle: bayernhafen Gruppe)

Kombinierter Verkehr für die Zukunft

Vor allem der Container-Umschlag boomt: In diesem Bereich ist das Volumen der bayernhafen-Standorte 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent gewachsen – auf über 420.000 Standardcontainer (TEU). Und es wurden neue Schienenverbindungen für den Container-Transport geschaffen: an die deutsche Nordseeküste und zum größten europäischen Hafen Rotterdam.

Der neue Zug zwischen Nürnberg und Rotterdam transportiert Container und Wechselbrücken um rund 40 Prozent günstiger als Lkws. „Der direkte Weg zu den Seehäfen ist ein entscheidendes Plus für die bayerische Wirtschaft“, sagt Zimmermann. „Das stärkt sowohl unser internationales Netzwerk als auch die Wirtschaft in der Region Nürnberg und darüber hinaus“, so der Geschäftsführer.

Motor Logistik

Die Logistik ist mit einem Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau der drittgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland. Rund 2,8 Millionen Menschen sind in der Branche beschäftigt.

Auch in die andere Richtung – über die Alpen – ist die bayernhafen Gruppe aktiv. Im Jahr 2012 wurden über die sogenannte „Rollende Landstraße“ insgesamt 21.587 Lkws vom Regensburger Hafen auf der Schiene über den Brenner bis ins italienische Trento transportiert. Und man will die logistischen Ketten künftig noch enger knüpfen, denn: „Im kombinierten Verkehr, kurz KV, liegt die Zukunft“, sagt Alexander Ochs, Prokurist und Intermodal-Verantwortlicher der bayernhafen Gruppe. „Das bietet viele Chancen für intelligente Verkehrsverlagerungen. Und je effizienter der Containerverkehr gemanagt wird, desto interessanter wird er für die verladende Industrie.“ Der KV kombiniert mindestens zwei verschiedene Verkehrsträger, beispielsweise Bahn und Lkw, zu einer schnellen, effizienten und ökologischen Transportkette.

Damit können die jeweiligen Vorteile der Verkehrsträger und ihre Kapazitäten geschickt genutzt werden. Das entlastet nicht nur staugefährdete Straßen, sondern verringert auch Abgase und Mautgebühren.

Im bayernhafen Nürnberg wurde bereits 2006 in eine trimodale Umschlaganlage für den Kombinierten Verkehr zwischen Schiene, Straße und Wasser investiert. Zusammen mit dem Ende 2009 in Betrieb genommenen zweiten Modul bietet das Containerterminal eine jährliche Umschlagkapazität von 533.000 TEU pro Jahr.

Aufgrund der elektrifizierten Terminalanbindung ist ein Traktionswechsel nicht notwendig; elektrische Streckenloks können in das Terminal einfahren – das spart Zeit und Kosten. „Dank hoher Investitionen in die Bahninfrastruktur und -kapazität der letzten Jahre sowie der Vernetzung der Verkehrsträger haben wir die Basis für weiteres Wachstum im umweltverträglicheren Güterverkehr geschaffen”, so Harald Leupold, Geschäftsführer der Hafen Nürnberg-Roth GmbH, der Betreibergesellschaft der bayernhafen-Standorte Nürnberg und Roth. Jährlich werden mehr als 15Millionen Tonnen an Gütern im bayernhafen Nürnberg umgeschlagen.

Schwer- und Sondertransporte leicht gemacht

Zwar befördert die Binnenschifffahrt traditionell Massengüter wie Getreide und Futtermittel, Erz und Kohle, Chemikalien, Bausand oder Kies. Aber die Güterschiffe eignen sich auch für Schwer- und Sondertransporte. Im bayernhafen Passau zum Beispiel wurden 2012 insgesamt weit über 4.000 Tonnen Schwergut verladen – von langen Windrotoren für Südosteuropa bis zu Kesseln, Plattenwärmetauschern und Tanks sowie Niederbayerns größter Schwertransport aller Zeiten: ein 260-Tonnen-Trafo, der per Schiff kam. Auch der bayernhafen Nürnberg erhöhte seinen Schwergutumschlag im Jahr 2012 noch einmal; er wuchs um 2,6 Prozent auf 18.110 Tonnen. Der fränkische Hafen ist 40 Jahre nach seiner Inbetriebnahme das größte Güterverkehrszentrum (GVZ) Süddeutschlands.

Er liegt, nach einer Studie der Deutschen GVZGesellschaft, im Deutschland-Ranking zusammen mit Bremen sogar auf Platz eins. „Als vor einem halben Jahrhundert die Planungen des Nürnberger Hafens begannen, war der Begriff Güterverkehrszentrum noch gar nicht erfunden“, sagt Zimmermann.

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Trimodalität: intelligente Verknüpfung von Schiff, Bahn und Lkw

„Es war die Weitsicht der 1960er-Jahre, diesen zu planen und dann auch zu bauen.“ Im November 1966 schlossen der Freistaat Bayern und die Stadt Nürnberg einen Vertrag – und im September 1972 ging der Hafen in Betrieb. Mit 260 angesiedelten Unternehmen und 5.600 Arbeitsplätzen hat sich der bayernhafen zu einem Wachstumsmotor für die Region Nürnberg entwickelt. Die Ansiedler gehören zu den Branchen Transport und Logistik, Umschlag, Recycling, Industrie, Handel, Lagerung und verkehrsrelevanten Servicedienstleistern. „Der Branchen-Mix in Verbindung mit einer leistungsstarken Infrastruktur sichert die Versorgung der Menschen und der Wirtschaft in der Metropolregion Nürnberg mit Gütern aus aller Welt“, so Leupold. „Außerdem werden regionale Produkte für die nationalen und internationalen Zielmärkte verladen.“

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Hafen Nürnberg: starke Infrastruktur und Branchen-Mix mit 260 Unternehmen

„Erfolgreiche Wirtschaftsstandorte brauchen eine klare Strategie“, erklärt Zimmermann. „Wir verstehen uns als Standort-Architekt, der eine leistungsfähige Hafeninfrastruktur bietet, und setzen auf zukunftsfähige Branchencluster zum Beispiel in Logistik, Holzwirtschaft, Energiewirtschaft, Recycling und Agrar“, so der Geschäftsführer der bayernhafen Gruppe. Und man will die Leistungsfähigkeit der logistischen Lebensadern weiter steigern – mithilfe innovativer Technologien: „Wir lernen hier von den Seehäfen, die die Automatisierung bereits sehr effizient beherrschen“, sagt Ochs. Ein Baustein ist „LogOn“, eine Echtzeit-Infoplattform für die ganze Logistikkette.

Das neue Kundenportal ermöglicht die lückenlose Kommunikation für alle Beteiligten und zu jeder Zeit. „Die Echtzeit-Abfrage von Zügen und Lkws erlaubt dann eine detaillierte Planung der Transportketten“, erklärt Ochs.

Die Verkehrsinfrastruktur in Bayern ist ein wichtiger Standortfaktor für die Lebensqualität und den wirtschaftlichen Erfolg der Exportnation Deutschland. Ein wichtiges Logistik-Drehkreuz sind dabei die Standorte der bayernhafen Gruppe, die effiziente Transportverbindungen bieten: von den deutschen und niederländischen Seehäfen an der Nordsee über die Donau nach Bulgarien bis jenseits der Alpen in die Güterverkehrszentren Norditaliens.

Effizienz mit Elektrik – Durch elektrifizierte Schienennetze wie im bayernhafen Regensburg entfallen zeit- und kostenintensive Traktionswechsel auf Dieselloks. (© bayernhafen Gruppe)

Audio-Beitrag (1:32min) – Karl Fischer, Geschäftsführer des Logistik-Kompetenzzentrums (LKZ), Prien am Chiemsee

Wie kommt der Container über die Alpen? Der reibungslose Güterverkehr über die Alpen stellt immer noch eine gewaltige Herausforderung an die Logistik dar. Mit dem Projekt TRANSITECTS, das beim Kongress Logistik Innovativ 2012 in Prien vorgestellt wird, soll der alpenquerende Güterverkehr einen gewaltigen Schritt vorankommen, so Karl Fischer vom Logistikkompetenzzentrum in Prien am Chiemsee.